NW 2006/1007
Aachen, Münsterplatz 2

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Inhalt
I. Einleitung
II. Archäologische Befundlage
   II.1. Technische Stellen
   II.2. Archäologische Befunde
      II.2.1. Ziegelsteinmauer St. 4
      II.2.2. Ziegelsteinmauer St. 5
      II.2.3. Kanalrinne St. 6
      II.2.4. Ziegelsteinmauer St. 7
      II.2.5. Lehmschicht St. 8
      II.2.6. Kanalrinne St. 9
      II.2.7. Ziegelsteinmauer St. 10
III. Zusammenfassung
Abbildungsnachweis
Literaturhinweise
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Aachen, Kaufhof
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Erftstadt-Lechenich
Grevenbroich-Gustorf
Jülich, Am Aachener Tor
Jülich, Propsteikirche
Jülich, Schloßstraße
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Rommerskirchen-Gill
Steinzeit in Südwest-Bayern
Stolberg-Gressenich
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Glockenguss am Münsterplatz


Abb. 1: Lageplan des Gebäudes Münsterplatz 2 (eingetragen auf Ausschnittsplan DGK 5202/11, „Aachen, Nordost“)
                                                                                                                                                             [
Luftbild] -  [DGK]

Thomas Ibeling und Norbert Bartz
03. März 2006

I. Einleitung

Der Anlass für die durchgeführte Maßnahme war eine geplante Erweiterung des Bäckereicafes Nobis am Münsterplatz durch eine Printenstube. Im Zuge dieser Erweiterung wurden im Gebäude Münsterplatz 2 umfassende Sanierungsmaßnahmen durchgeführt, die nach Auflagen des R.A.B. bzw. der Oberen Denkmalbehörde archäologisch begleitet wurden. Auftraggeber für die archäologischen Untersuchungen war die Firma Nobis Printen e.K. aus Aachen. Das bauplanende Architekturbüro war Graf Wawra bauART GmbH aus Aachen. Die baubegleitenden archäologischen Arbeiten wurden von der Fa. Wurzel Archäologie und Umwelttechnik GmbH aus Jülich in der Zeit vom 20.02.2006 bis zum 28.02.2006 durchgeführt. Die wissenschaftliche Leitung der Maßnahme wurde von Thomas Ibeling, M.A. – Archäologische Grabungen und Sondagen übernommen und die technische Durchführung wurde Norbert Bartz – NB Archäologie & Graphik übertragen.

          Das von der Sanierungsmaßnahme betroffene Gebäude liegt östlich gegenüber dem Aachener Dom und grenzt unmittelbar südlich an die Kirche St. Foillan an. Im Zuge der Sanierungsarbeiten war im rückwärtigen, ca. 28 qm großen Teilabschnitt des Gebäudes eine Absenkung des vorhandenen Bodenniveaus um ca. 0,60 m geplant. Der von der Ausschachtung betroffene Gebäudeabschnitt grenzt unmittelbar östlich an einen straßenseitig gelegenen älteren Ziegelsteingewölbekeller an.

          Obwohl bei älteren Grabungen und Kanalbegleitungen in der unmittelbaren Umgebung des Gebäudes auch römische, karolingische und mittelalterliche Befunde angetroffen wurden, war ein Anschneiden entsprechender Befunde aufgrund der geringen Bautiefe eher unwahrscheinlich. Bedingt durch die Lage des Gebäudes im zentralen Altstadtbereich war hingegen trotz der geringen Baueingriffstiefe ein Anschneiden spätmittelalterlicher und/oder früh- bis spätneuzeitlicher Bau- und Befundstrukturen (Mauerzüge, Brunnen, ältere Fußböden, Abfallgruben etc.) sowie entsprechende Ablagerungen und Kulturschichten zu erwarten. Auch ein Anschneiden möglicher Bestattungen ließ sich aufgrund der unmittelbaren Nachbarschaft zur Kirche St. Foillan nicht gänzlich ausschließen. Daher standen die Ausschachtungen unter ständiger archäologischer Begleitung, mit dem Ziel, archäologisch relevante Befunde und Ablagerungen sowohl im Planum als auch im Profil zu dokumentieren und bis in die vorgesehene Bautiefe zu untersuchen.

nbsp;         In der technischen Vorgehensweise wurde nach Abtrag des vorhandenen modernen Holzfußbodenbelages und der darunter liegenden modernen Sauberkeitsschicht (hier: Estrich mit Teerpappenunterlage) zunächst vollflächig ein erstes Planum (Planum 0) erstellt, welches jedoch aufgrund der rezenten Auffüllungen nur ausschnittweise dokumentiert wurde. In der Folge wurde zur Erfassung der abgelagerten Schichtabfolge durch den von der Ausschachtung betroffenen Raumbereich ein Quer- und ein Längsprofilschnitt angelegt und die entsprechenden Schichthorizonte, hier jüngere Auffüllschichten und ältere frühneuzeitliche Schichthorizonte sowohl fotografisch als auch zeichnerisch dokumentiert. Danach wurden die modernen Auffüllschichten bis auf die vorgesehene Bautiefe ausgeschachtet, wobei ältere Baustrukturen wie Ziegelsteinmauern, Kanalrinnen etc. auf ihrem obersten erkennbaren Befundniveau freigelegt wurden. Das Planum bzw. die im Planum angeschnittenen Befundstrukturen und Schichten wurden fotografisch, zeichnerisch und beschreibend dokumentiert und höhennivelliert. Eine weitergehende Untersuchung in Form von Profilschnitten konnte, da die vorgesehene Bautiefe nicht unterschritten werden sollte, in Abstimmung mit dem bauplanenden Architekten nur in einem Einzelfall durchgeführt werden. Abschließend konnte nur noch der Abbau der im Planum angeschnittenen Baustrukturen bis auf die Bausohle begleitet werden.

II. Archäologische Befundlage

II.1. Technische Stellen

Als technische Stellen wurden zwei Profilschnitte (Querprofil / Längsprofil) ausgeführt.

          In beiden Profilen wurde eine mehrschichtige Auffüllung erfasst, welche insbesondere stark mit modernem Bauschutt und Gebrauchsfunden durchsetzt war.

          Hinsichtlich der stratigraphischen Abfolge der einzelnen spätneuzeitlichen Auffüllungs-schichten lassen sich keine archäologisch relevanten Rückschlüsse ziehen. Im Liegenden dieser Auffüllungen war im Längsprofil eine ockerfarbene Lehmlinse angeschnitten worden, die sich im Planum als flächige, halbrunde Lehmschicht darstellte und möglicherweise als Sockel für eine Glockengussstelle oder technischen Ofen diente. Im Querprofil wurde im Liegenden der spätneuzeitlichen Auffüllungen eine graue, stark mit scharfkantigen Blausteinschottern durchsetzte Schicht angetroffen, welche einer im Planum erfassten entsprach und aufgrund der Ausschließlichkeit des eingelagerten Fundmaterials eindeutig in das ausgehende Spätmittelalter (14./15. Jh.) eingeordnet werden kann.

          Damit stellt diese Schicht die während der baubegleitenden Untersuchungen älteste erfasste Ablagerung dar. Ob die im Planum offensichtlich darüber liegende Schicht eine frühneuzeitliche Ablagerung oder aber doch eher nur den unteren Bereich der imProfil dokumentierten neuzeitlichen Auffüllungen darstellt, muß dahingestellt bleiben.

II.2. Archäologische Befunde

Insgesamt wurden im Zuge der Maßnahme sieben Einzelbefunde als archäologische Stellen definiert. Hinzu kommen die in den Profilen und im Planum erfassten Schichten, die jedoch in der Bearbeitung keine eigene Stellennummer erhielten. Sie sind zwar als anthropogen eingebrachte Auffüllungen anzusehen, stellen jedoch in definitorischer Hinsicht keinen eigenständigen geschlossenen Befund dar. Sämtliche Befunde wurden in einem Befundkatalog aufgelistet und detailliert beschrieben.

StelleBefundtypologie
4Mehrlagige Ziegelsteinmauer mit holländischem Verband und Ziegelmaß => ehemalige Hofmauer zw. Kirche St. Foillan und Münsterplatz 2
5Gussfundament aus Ziegelbruch und Zementmörtel => östliche Außenmauer des Hauses Münsterplatz 2 von 1928
6Abwasserkanal mit Blausteinabdeckung auf Ziegelsteinwangen im Blockverband => Wasserabflussrinne
7 Mehrlagige, im Kreuzverband gesetzte Ziegelsteinmauer => östliche Außenmauer des straßenseitigen Gewölbekellers und rückwärtige Gebäudeaußenmauer vor 1928
8Lehmschicht mit Verziegelungen, HK, Schlacke- und Ofenresten => Sockel eines ehemaligen Ofens/Glockengußgrube
9Abwasserrinne mit Ziegelsteinabdeckung auf Ziegelsteinwangen im Läuferverband => Wasserabflussrinne
10Mehrlagige, im Blockverband gesetzte Ziegelsteinmauer => nördl. Außenmauer eines Leitungsschachtes
Tab. 1: Auflistung der definierten archäologischen Befunde

II.2.1. Ziegelsteinmauer St. 4

Die Ziegelsteinmauer St. 4 war in NNW/SSO-Orientierung ausgerichtet, um 3° nach O gegenüber den Mauerzügen St. 5 und 7 verdreht und bildete offensichtlich den westlichen Abschluß der mit scharfkantigen Blausteinschottern durchsetzten Schicht 1-48. Es handelte sich um ein einreihig gesetztes, mehrlagiges Ziegelmauerwerk mit holländischem Verband und Ziegelmaß, welches im Planum 1,84 m in den untersuchten Bereich südlich hineinreichte, dort ohne weitere Anbindung abrupt endete und scheinbar von der Lehmschicht St. 8 geschnitten wurde. Allerdings konnte aufgrund der geringen Bautiefe weder das zeitliche Überschneidungsverhältnis zwischen der Ziegelsteinmauer St. 4 und der spätmittelalterlichen Schicht 1-48 noch das Überschneidungsverhältnis zwischen der Ziegelsteinmauer und der Lehmschicht St. 8 geklärt werden. Die Tatsache, dass die Mauer St. 4 in ihrer Ausrichtung nahezu im rechten Winkel zu der zeitlich eindeutig jüngeren Ziegelsteinrinne St. 9 und der Mauer St. 10 orientiert ist lässt jedoch möglicherweise auf eine jüngere Datierung dieses Befundes schließen, wenn auch die Mauertechnik sich als spätgotisch darstellt. In nördlicher Richtung wurde die Mauer St. 4 von der heutigen nördlichen Raummauer gekappt. Westlich an die Mauer schloss sich eine ca. 0,60 m breite Baugrube (Schicht 1-58) an, deren Zuordnung (entweder Baugrube der Mauer St. 5, Baugrube der Kanalrinne St. 6 oder aber Arbeitsgrube zum straßenseitigen Gewölbekeller) aufgrund der geringen Baueingriffstiefe ebenfalls nicht abschließend zu klären war. Die Ziegelsteinmauer St. 4 bestand aus Ziegelsteinen (Ziegelformat: 21 x 11 x 7 cm), die mit einem mittelhartem grau-gelben Kalkmörtel mit wenig Sandbeischlag und vereinzelten Kalkspatzen verfugt waren. Die Tatsache, dass diese 1 Stein breite Mauer nur einreihig gesetzt war, läßt darauf schließen, dass es sich hierbei nicht um ein tragendes Mauerwerk handelte, sondern dass es sich um eine ehemalige Grundstücksbegrenzung im Hofbereich zwischen der Kirche St. Foillan und dem Gebäude Münsterplatz 2 handeln dürfte. Hierzu ist anzumerken, dass das im rückwärtigen Hofbereich befindliche Pfarrhaus der Kirche St. Foillan ursprünglich wahrscheinlich auch von dieser Seite aus zugänglich war. Die Tatsache, dass die mit spätmittelalterlichen Funden durchsetzte Schicht 1-48 ausschließlich östlich der Hofbegrenzungsmauer angetroffen wurde, läßt des weiteren darauf schließen, dass es sich hierbei um eine zeitlich entsprechende Aufschüttung des ehemaligen rückwärtigen Hofareales handelt.

II.2.2. Ziegelsteinmauer St. 5

Die Ziegelsteinmauer St. 5 verlief in einem Abstand von ca. 0,80 m parallel zu der östlichen Außenmauer des straßenseitigen Gewölbekellers (St. 7) und ist als spätere hofseitige Gebäudeerweiterung zu interpretieren (vgl. Bauplan von 1928, Anlage 6). Im Planum wurde sie auf einer Länge von 3,10 m erfasst, war hier jedoch sowohl am nördlichen wie auch am südlichen Abschluss durch moderne Versorgungsleitungen bzw. Abwasserrohrverlegungen gestört. Es handelte sich um ein wildes Gussmauerwerk aus mittelformatigem Ziegelsteinbruch in grauem Zementmörtel. Die Tatsache, dass sich sowohl die Mauertechnik als auch der Mörtel deutlich von den übrigen Baustrukturen unterschied, läßt auf eine zeitlich entsprechend spätere Errichtung schließen. Die nur flache Gründung der Mauer deutet darauf hin, dass es sich hierbei um die Schwellkonstruktion der nach den Bauvorlagen von 1928 geplanten Außenmauer handelte. Eingesetzt war die Mauer in eine lockere mit Bauschutt durchsetzte streifenartige Verfüllung (Schicht 1-58), die als Baugrube anzusprechen ist und zunächst dieser Mauer zugeordnet wurde. Es scheint jedoch ebenso möglich, dass es sich hierbei um die Baugrube der unmittelbar westlich anschließenden, mit Blausteinen abgedeckten Kanalrinne St. 6 oder um eine Arbeitsgrube im Zusammenhang mit der östlichen Abschlussmauer des Gewölbekellers (St. 7) handelte. Ein entsprechender Klärungsschnitt konnte auch hier nicht abgetieft werden.

II.2.3. Kanalrinne St. 6 mit Blausteinabdeckung


Abb. 2: Blausteinabdeckung der Kanalrinne St. 6

Die unmittelbar westlich parallel neben der Ziegelsteinmauer St. 5 verlaufende Kanalrinne St. 6 wies eine Breite von 0,78 m und eine im Untersuchungsbereich erfasste Länge von 4,60 m auf, setzte sich jedoch in nördlicher Orientierung offensichtlich bis in den ehemaligen Hofbereich zwischen der Kirche St. Foillan und dem Haus Münsterplatz 2 weiter fort. Im Norden ist St. 6 von dem Fundament der nördlichen Raumwand überbaut. Sowohl im nördlichen als auch im südlichen Befundbereich war der Abwasserkanal, ebenso wie das Gussmauerwerk St. 5 durch moderne Versorgungsleitungen gestört, sodass ihr südlicher Abschluss nicht erfasst werden konnte. Im Anschlussbereich an die mit Ziegelsteinen überdeckte, rechtwinklig anschließende Kanalrinne St. 9 war keine Verbindung der beiden Kanalsysteme vorhanden; die östliche Seitenwange der Kanalrinne St. 6 war hier durchlaufend und die Ziegelsteinrinne St. 9 stumpf daran angesetzt. Die im Blockverband gesetzten Seitenwangen und die Sohle der mit Blausteinen überdeckten Kanalrinne bestand aus Ziegelsteinen (Ziegelformat: 24 x 12 x 6 cm), die mit einem harten hellgrauen Kalkmörtel verfugt waren.

          Die Innenweite der Kanalrinne war 0,30 m breit und wies ein in nördlicher Richtung abfallendes Gefälle von 0,10 m (Neigungswinkel von 1,7 0) auf, was zeigt, dass die Rinne in den nördlich angrenzenden Hofbereich entwässerte. Die Abdeckung der Kanalrinne bestand aus großformatigen länglichen Blausteinen, die quer auf die Kanalwangen lose aufgesetzt waren. Die Blausteine waren auf der Schauseite meistenteils sorgfältig behauen und wiesen teilweise eine abgeschrägte Längskante auf und in einem Fall frühgotische Schriftzeichen (...n zu :aich... = ...n zu Aachen...), bei denen es sich wahrscheinlich um das Fragment der Randinschrift eines Epitaphs handelt. Im südlichen Bereich war ein 0,20 x 0,20 m großer senkrechter Einlaufschacht ausgespart, der auf der westlichen Seite mit Ziegelsteinen abgemauert war.


Abb. 3: Beschrifteter Blaustein

          Es ist zu vermuten, dass die als Baumaterial wertvollen Blausteine nicht ursprünglich für die Kanalabdeckung gefertigt waren, sondern aus einem anderen, in seiner Bedeutung eher gehobenen Befundkontext stammen und sekundär verwendet wurden. In der auf der Sohle der Kanalrinne abgelagerten 0,07-0,08 m starken eingeschwemmten Verfüllung fanden sich spät-neuzeitliche Funde (Gefäßkeramik, Glas, Metall und Tierknochen), die eine Nutzung des Abwasserkanals bis in das 19./20. Jh. belegen. Hinsichtlich der Entstehungszeit der Kanalrinne konnten keine Erkenntnisse gewonnen werden.

II.2.4. Ziegelsteinmauer St. 7 und Gewölbekeller

Die lagige, 0,34 m breite, im Kreuzverband ausgeführte Ziegelsteinmauer St. 7 verlief unmittelbar westlich parallel angrenzend an die mit Blausteinen abgedeckten Kanalrinne St.6 und bildet die östliche Außenmauer des straßenseitigen Gewölbekellers bzw. die ehemalige östliche Außenmauer des ursprünglichen Baubestandes vor 1928 (s. Bauplan von 1928, Anlage 6). Sie wurde im Planum auf voller Raumlänge erfasst und wies in ihrem Verlauf drei nischenartige Erker mit schrägen Rutschen auf, die vermutlich der hofseitigen Befüllung des Kellers dienten. Auf der Straßenseite waren zwei gleichartige Nischen angelegt. Das mit Schieferplatten verkeilte Tonnengewölbe des Kellers setzte unmittelbar an die Mauer St. 7 an. Im nördlichen Befundabschnitt war die östliche Kellermauer im oberen Bereich ebenso wie die Ziegelsteinmauer St. 5 und der Abwasserkanal St. 6 durch moderne Versorgungsleitungen (s.o.) gestört.

          Als Baumaterial sowohl für die östliche Kellermauer als auch für die Gewölbedecke wurden Ziegelsteine (Ziegelformat: 27 x 11 x 7 cm) genutzt, die mit einem sehr harten, hellgrauen, leicht sandigen Kalkmörtel mit wenig Kalkspatzen verfugt waren.

          Das Tonnengewölbe wurde im Zuge der Umbauarbeiten eingerissen und der Kellerraum bis auf einen schmalen Bereich am südlichen Ende, der für eine Abwasserleitung ausgespart und nach Norden hin abgemauert wurde, mit Schutt und Abraum verfüllt.


Abb. 4: Südlicher Bereich des Gewölbekellers


II.2.5. Lehmschicht St. 8 mit Verziegelungsspuren, Brandresten und Metallschlacken

Östlich der Ziegelsteinmauer St. 5 zeichnete sich im Planum eine rundlich verlaufende Lehmschicht (St. 8) ab, die im westlichen Befundbereich offensichtlich von der Mauer St. 5 bzw. von der Baugrube (Schicht 1-58) annähernd halbseitig gekappt wurde. Bei dem Schichtsediment handelte es sich um einen ockerfarbenen, sehr feinen, schwach lehmigen Schluff, der eine im Westen halbseitig gekappte, rundlich verlaufende bandartige Verziegelungsstruktur mit einem Außendurchmesser von 1,20 m aufwies, die auf eine ehemalige Brandstelle hindeutet bzw. als Werkstandort einer hier produzierten Glocke (s.u.) interpretiert werden kann. Sowohl innerhalb, als auch außerhalb des Verziegelungsbandes zeigten sich im Planum zahlreiche Holzkohleeinlagerungen und mehrere vereinzelte Brandlehmflecken. Überreste von Ziegelsteineinbauten innerhalb der bandförmigen Verziegelung konnten nicht festgestellt werden. Des weiteren wurden, eingelagert in das Schichtsediment der Lehmschicht, im unmittelbaren Umgebungsbereich des Verziegelungsbandes auch größere, z.T. stark verschlackte Brandlehmstücke (# 8-10/1-2, auch # 1-22) geborgen, die aufgrund ihrer glatt verstrichenen Oberfläche (teilweise sind auch Brettabdrücke erkennbar) am ehesten als Reste einer lokal vor Ort ausgeführten Metallverarbeitung, vermutlich im Zusammenhang mit einer Glockenproduktion (Metallschmelzofen, Eingusstrichter oder Reste einer Glockengussform) angesprochen werden können. Mehrere ebenfalls in der Lehmschicht gefundene Buntmetallschmelzen (# 8-10/3) deuten ebenso auf eine entsprechende Buntmetallverarbeitung hin. Ob auch die aus den jüngeren Auffüllschichten geborgenen, möglicherweise sekundär umgelagerten Blei- und Zinn bzw. Zinkbleche (# 1-26, 1-46/11, 3-12, 3-17, 3-32/7-9) in diesen Befundzusammenhang gehören, muß dahingestellt bleiben. Datierende Funde konnten aus dem Befundbereich leider nicht geborgen werden. Ein mit dem Architekten abgesprochener kleinerer Profilschnitt zeigte jedoch, dass die Lehmschicht schräg in die spätmittelalterliche Auffüllschicht 1-48 eingetieft war, somit also zeitlich später angelegt wurde. Des weiteren zeigte sich bei den archäologisch begleitenden Abbrucharbeiten der im Planum angeschnittenen Bau-strukturen St. 5, 6 und 9, dass sich die Lehmschicht in südlicher Orientierung ebenfalls halbrundlich bis unter die ziegelsteingedeckte Kanalrinne St. 9 erstreckte und von der Ziegelsteinmauer St. 10 am südlichen Scheitelpunkt gestört wurde. Hierdurch ergibt sich in Verbindung mit der Tatsache, dass die Lehmschicht auch von der Baugrube Schicht 1-58 sowie von der westlich anschließenden Kanalrinne St. 6 gekappt wurde, sowohl ein relativchronologischer „Terminus post quem“ (Schicht 1-48, also nach 1400) als auch ein „Terminus ante quem“ (St. 5, 6, 9, 10 und Baugrube 1-58), der zeitlich jedoch nicht näher eingrenzbar ist. Es ist daher zu vermuten, dass die hier nachgewiesene Glockengießerei in direktem Befundzusammenhang mit dem gotischen Neubau von 1482 der benachbarten Kirche St. Foillan steht.


Abb. 5: Glockengussgrube St. 8


II.2.6. Kanalrinne St. 9 mit Ziegelsteinabdeckung

Die im südlichen Gebäudebereich erfasste Ziegelsteinrinne St. 9 verlief annähernd rechtwinklig zu dem mit Blausteinen abgedeckten Abwasserkanal St.6 in WSW/ONO-Orientierung und war dem südlich anschließenden und mit einer eisenarmierten Betondecke versehenen Leitungsschacht St. 10 unmittelbar vorgesetzt. Die im Außenmaß ca. 0,42 m breite Rinne konnte im Planum auf einer Länge von 2,65 m erfasst werden, war jedoch in ihrem westlichen Befundbereich und somit im Ansatzbereich zu der mit Blausteinen abgedeckten Rinne St. 6 durch eine moderne Wasserleitung gestört. Allerdings zeigte sich bei den späteren Abbrucharbeiten der Kanalrinne St.6, dass die östliche Seitenwange der Blausteinrinne St. 6 durchlaufend war und die Ziegelsteinrinne St. 9 stumpf gegen diese anstieß (s.o.). Aussagen über die zeitgleiche Nutzung beider Rinnen lassen sich anhand der eingelagerten Funde nur für deren Endphase positiv machen. Funktional entwässerte die mit Ziegelsteinen überdeckte Rinne St. 9 bei einem östlichen Gefälle von 0,033 m (Neigungswinkel 1 0) in den rückwärtigen Hofbereich. Die dreilagig im Läuferverband gesetzten Seitenwangen und die Sohle der Rinne war aus Ziegelsteinen (Ziegelformat: 26 x 12 x 6 cm) aufgebaut. Als Verfugungsmaterial diente ein weicher, gelblich grauer, leicht sandiger Kalkmörtel. Die Abdeckung bestand ebenfalls aus Ziegelsteinen gleichen Formates, war aber im östlichen Befundbereich mit einem flachen Blausteinplattenfragment und einer keramischen Bodenfliese ausgebessert. In der Verfüllung der Kanalrinne fanden sich ausschließlich neuzeitliche Fundstücke (Keramik-, Glas- und Tierknochenfragmente), die eine Nutzung des Ablaufkanals bis in das 19./20. Jh. belegen. Aufgrund der stratigraphischen Zusammenhänge lässt sich bezüglich der Enstehungszeit der Ziegelsteinrinne lediglich feststellen, dass sie jünger ist als die Lehmschicht St. 8.

II.2.7. Ziegelsteinmauer St. 10 und Leitungsschacht

Die im Blockverband gesetzte Ziegelsteinmauer St. 10 verlief unmittelbar östlich parallel angrenzend an die mit Ziegelsteinen abgedeckten Kanalrinne (St.9) und bildete die nördliche Außenmauer eines länglichen, O/W-orientierten Leitungsschachtes für ein modernes gusseisernes Abwasserrohr. Die Mauer bestand aus Ziegelsteinen (Ziegelformat: 26 x 12 x 6 cm), die mit einem sehr harten hellgrau bis weißen Kalkmörtel verfugt waren. In der gegenüberliegenden Mauer war eine nachträglich zugemauerte Fensternische mit gewölbtem Sturz aus Ziegelsteinen erkennbar. Hinsichtlich der zeitlichen Einordnung des Gewölbeschachtes lassen sich keine gesicherten Aussagen treffen. Die Tatsache, dass St. 10 von der heutigen östlichen Gebäudeaußenmauer überbaut und deren gegossenes Fundament das Mauerwerk von St. 10 umschließt, lässt jedoch darauf schließen, dass es sich um einen älteren Schacht aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg handelt.

III. Zusammenfassung

Im Zuge einer Umbau- und Sanierungsmaßnahme im Gebäude Münsterplatz 2 wurden baubegleitende archäologische Untersuchungen durchgeführt, die eine Dokumentation der bei den Ausschachtungsarbeiten angeschnittenen Befunde gewährleisten sollten. Die Ausschachtungen erfolgten in dem östlichen Gebäudebereich auf einer Fläche von ca. 28 qm und wurden bis in eine Tiefe von 0,60 m ausgeführt. Im Zuge der baubegleitenden Untersuchungen konnten verschiedene spätmittelalterliche und früh- bis spätneuzeitliche Auffüllschichten, mehrere Baubefunde und eine Lehmschicht mit Verziegelungs- und Brandspuren sowie Schlackefragmenten dokumentiert werden.

          Als älteste Struktur ist die Schicht 1-48 anzuführen, bei der es sich um eine spätmittelalterliche Planierung des rückwärtigen Hofbereiches handeln dürfte, die etwa in die Zeit um 1400 zu datieren ist. Diese wurde straßenseitig durch eine schmale Ziegelsteinmauer (St.4 ) begrenzt, die zeitlich zwar nicht näher eingeordnet werden kann, sicherlich aber als ehemalige Hofbegrenzung zwischen dem Gebäude Münsterplatz 2 und der benachbarten Kirche St. Foillan zu interpretieren ist.

          Aufgrund der stratigraphischen Überschneidung ist in der zeitlichen Abfolge als nächst jüngerer Befund die Lehmschicht St. 8 zu nennen, die funktional am ehesten als Restbefund einer lokal vor Ort ausgeführten Metallverarbeitung, vermutlich im Zusammenhang mit einer Glockenproduktion angesprochen werden kann. Eine absolut chronologische Datierung diese Befundes ist zwar mangels entsprechender Funde leider nicht möglich, es scheint jedoch gesichert, dass dieser Befund jünger als die spätmittelalterliche Hofplanierung (Schicht 1-48) und älter als die Baubefunde St. 5, 6, 9 und 10 sowie die Baugrube Schicht 1-58 ist. Demnach ist es wahrscheinlich, dass die hier nachgewiesene Glockengussstelle in direktem Befundzusammenhang mit dem gotischen Neubau der benachbarten Kirche St. Foillan von 1482 steht und somit in die 2. Hälfte des 15. Jh.’s datiert.

          In der zeitlichen Abfolge der übrigen Baubefunde dürfte die mit Blausteinen überdeckte Kanalrinne St.6 älter sein als die stumpf angesetzte Ziegelsteinrinne St.9. Das zeitliche Verhältnis zwischen der Blausteinrinne St. 6 und dem Gewölbekeller mit der Mauer St. 7 konnte durch den Bauaufschluss nicht eindeutig geklärt werden. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass beide Befunde als zeitgleich anzusehen sind und die Kanalrinne St. 6 der Abführung des hofseitigen Regen- sowie des häuslichen Brauchwassers diente.

          In der weiteren Baufolge wären als nächstes die Baubefunde St. 10 und 9 zu nennen, die beide gleich orientiert waren und aufgrund des verwendeten Fugenmörtels sicherlich chronologisch vor die Errichtung der Mauer St. 5 und somit vor das Jahr 1928 einzuordnen sind.


Abbildungsnachweis:

Abb. 1: aus Geodatenbank der Stadt Aachen, 2006; bearbeitet von N. Bartz, 2006
Abb. 2: Fotos: A. Buchwald, 2006; bearbeitet u. zusammengestellt von N. Bartz, 2006
Abb. 3: Zeichnung: N. Bartz, 2006
Abb. 4: Foto: A. Buchwald, 2006
Abb. 5: Foto: A. Buchwald, 2006


Literaturhinweise:

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H. Giersiepen: Die Inschriften des Aachener Doms und Inschriften der Stadt Aachen, Wiesbaden 1992 (Bd. 1) und 1993 (Bd. 2).
A. Huyskens: „Die Katholischen Kirchen“ in: Aachener Beiträge für Baugeschichte und HeimatkunstBd. 2. Das alte Aachen. Seine Zerstörung und sein Wiederaufbau, Hrsg. von Huyskens und Poll 1953, S. 22 – 24.
W. Janssen: Eine mittelalterliche Bronzegießerei in Bonn-Schwarzrheindorf (mit Anhang 3: H. Drescher, Ergänzende Bemerkungen), Rheinische Ausgrabungen 27, Köln/Bonn 1987, S. 135 – 235.
J. Poettgen: 700 Jahre Glockenguss in Köln. Die Meister und ihre Werkstätten von 1100 bis 1800. Arbeitsheft der rheinischen Denkmalpflege 61, Worms 2005.
C. Rhoen: Geschichte der St. Foilanskirche zu Aachen, Aachen 1892.
M. Schmauder: Die Glockengussstelle von St. Pankratius in Garzweiler, Archäologie im Rheinland 2000, Stuttgart 2001, S. 120 – 122.