Aramäisch (10. Jh. v. Chr. bis heute)
10. - 7. Jh. v. Chr.   Altaramäisch
700 - 200 v. Chr.   Königsaramäisch
200 v. Chr. - 200 n. Chr.   Mittelaramäisch
200 - 750 n. Chr.   Spätaramäisch
750 n. Chr. bis heute   Neuaramäisch
Die zur semitischen Sprachfamilie gehörende aramäische Sprache ist eng mit Hebräisch und Arabisch verwandt. Die ältesten Zeugnisse von ihr reichen bis ins 10. Jh. v. Chr.
Mit 3000 Jahren Sprachgeschichte ist Aramäisch nach Chinesisch und Griechisch die älteste noch gesprochene Sprache der Welt. Die Zahl der Sprecher der modernen neuaramäischen Varianten beläuft sich heute jedoch nur noch auf ca. 450.000. Die eigentliche Blütezeit des Aramäischen war die Antike, in der sie im gesamten Nahen und Mittleren Osten verbreitet war. Inschriften in aramäischer Sprache fand man an der Ostküste der Ägäis, in Südagypten, im Kaukasus, auf der arabischen Halbinsel, im Iran, Afghanistan und in Indien. Die östlichsten Funde wurden in Kandahar im zentralindischen Bundesstaat Marashtra gemacht.
Mit dem aramäischen Alphabet ist eine Schreibtechnologie entstanden, die wesentlich einfacher und übersichtlicher war als die traditionellen Keilschriften und mit der Migration der Aramäer in alle in der Antike politisch bedeutsamen Reiche des Nahen Osten und deren gesellschaftlichem Aufstieg in Wirtschaft und Kultur erlangte das Aramäisch zwischen 700 und 200 v. Chr. ein hohes Prestige als Kultursprache, Staatssprache und Sprache der internationalen Diplomatie. Die aramäische Kulturtradition diente den Vertretern verschiedenster religiöser Weltanschauungen als sprachliches Medium. Aramäisch war ebenso das Medium des Polytheismus, wie auch des Judentums und der christlichen Lehre. Als Bildungssprache der Juden wurde es bis ins 19. Jh. tradiert und als gesprochene Sprache lebt es noch heute in jüdischen und christlichen Enklaven im Nahen Osten.
In den frühen bis mittleren Phasen entwickelt sich das Aramäisch als nordwestsemitische Sprachform in direktem Kontakt mit dem Akkadischen, Persischen, Altgriechischen und dem Hebräischen, mit dem es am nächsten verwandt ist. Jesus von Nazareth sprach einen jüdisch-palästinensischen Dialekt des Westaramäischen. In der spätaramäischen Phase nach 200 n. Chr. haben sich, nicht zuletzt durch den Kontakt mit dem Arabischen, Kurdischen und Türkischen, verschiedene lokale Varianten des Aramäischen ausgebildet, von denen 6 eine eigene Schrifttradition entfaltet haben, die von manchen Forschern aufgrund der teilweise erheblichen Divergenzen als eigenständige Schriftsysteme angesehen werden. Demnach wäre Spätaramäisch eine Sammelbezeichnung für eine Gruppe von spätantiken bis frühmittelalterlichen Einzelsprachen. Zu den westaramäischen Schriften zählen Nabathäisch und Palmyrenisch; zu den ostaramäischen Schriften zählen die West- (Serto, Estrangelo) und Ostsyrischen Schriften (Nestorianisch), Jüdisch-Babylonisch (die Schrift des babylonischen Talmud) und Mandäisch.
Die aramäische Schrift findet man sowohl neben der Keilschrift als auch selbständig in Inschriften und auf Papyrus in Assyrien und Ägypten. Die hier mit "Babylonisch" bezeichneten Buchstaben sind den Inschriften entnommen, welche Layard bei seinen Ausgrabungen im 19. Jh. auf 8 Keramikgefäßen fand.
Die aramäische Schrift lieferte das Zeichenrepertoir, wovon sich im Westen die hebräische Quadratschrift und im Osten die Schreibung der indischen Zahlen ableitete. Die Araber übernahmen aus dem aramäischen die indischen Konventionen der Zahlenschreibung und formten danach ihre eigenen Zahlzeichen, die ihrerseits nach Europa transferiert wurden und von dort aus später in alle Welt gelangten.
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Aramäisch True Type Fonts

Nabatäisch
Palmyrenisch
Syrisch:
   Estrangelo
   Serto
   Nestorianisch
Mandäisch

Malabarisch
Uigurisch

Phönizisch
Makkabäisch
Moabitisch
Hauranitisch
Sabäisch
Numidisch


Literatur:
Beyer, K.: The Aramaic languages: Its distribution and subdivisions. Göttingen, 1986.
Brockelmann, C.: Syrische Grammatik, Leipzig, 1938.
Donner, H.-W. Röllig: Kanaanäische und aramäische Inschriften. 3 Bde. Wiesbaden, 1962-64.
Faulmann, C.: Das Buch der Schrift, enthaltend die Schriftzeichen aller Zeiten und aller Völker. Wien, 1880.
Haarmann, H.: Lexikon der untergegangenen Sprachen. 2. Aufl., München, 2004.
Kutscher, E. Y.: Aramaic, in: Encyclopaedia Judaica 3, 1971. S. 259-287.
Segert, S.: Altaramäische Grammatik mit Bibliographie, Chrestomathie und Glossar. Leipzig, 1975.