Die Chinanteken leben heute noch im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca. Dieser liegt im Süden Mexikos. Die Hauptstadt trägt den gleichen Namen. Die Stadt Oaxaca wurde wahrscheinlich 1468 von den Azteken gegründet und 1521 von den Spaniern erobert. Der Analphabetismus ist, im Vergleich zum Durchschnitt Mexikos, der 12,4% beträgt, mit 27,5% relativ hoch.

Nach einer Quelle aus 1990 lebten in dem Bundesstaat Oaxaca insgesamt 3.019.560 Einwohner, davon leben 39,5% in den Städten. 1519 lebten in dem Gebiet, welches heute den Bundesstaat bildet, 1.500.000 Menschen, wobei man davon ausgehen kann, daß es damals überwiegend Indianer waren. Heute ist etwa 1 Million indigen, verteilt auf Angehörige 20 verschiedener Völker, 8% sind Chinanteken. Damit wäre die Sprecherzahl 1990 etwa 80.000, angenommen alle Chinanteken beherrschen ihre Muttersprache.

Die Geographische Verbreitung des Chinantekischen ist begrenzt auf das Gebiet zwischen den nördlichen Gebirgen, das vom Tal im nördlichen Oaxaca bis nach Teotitlan del Camino an der Grenze zu Puebla verläuft. Wichtige Städte in diesem Sprachraum sind Chinantla, Usila, Atlatlahuaca und Yolotepec.


(aus: Handbook of Middle American Indians, Archaeology of Southern Mesoamerica, Part 2, 1965)

Die Sprachform ist vor allem Oral und wird heute noch gesprochen. Es gibt allerdings auch eine Schriftsprache in Form von Hieroglyphen.
Dabei ist es wichtig zu erwähnen, daß das Chinantekisch verwandt ist mit dem in Oaxaca weit verbreiteten Zapotekisch. Alle Informationen aus der vorspanischen Zeit über das zapotekische Schriftsystem stammen aus Dokumenten des Chinantekischen, Mixtekischen und Cuicatekischen. Diese vier Sprachen sind sich in den Schriftzeichen und in ihren Kalendern sehr ähnlich. So kann man Chinantekisch zu der Sprachfamilie des Zapotekischen rechnen, oder besser zu der Familie der indigenen Sprachen in Oaxaca.
Es besteht die These daß der mesoamerikanische Kalender, oder zumindest der tonalpohualli, in Oaxaca erfunden wurde. Dieser entstand nach dieser These im Einfluß des Zapotekischen, aber auch des Chinantekischen. Die Sprache war das wichtigste Medium um den Kalender zu übermitteln.

Der Kalender umfaßt zweihundertsechzig Tage. Es gibt neun Tage, welche die Namen von Gottheiten tragen:
1. Mdi; (Blitz, der Gott des Wassers)
2. Ndozin; (Tod, Botschafter von Ndan)
3. Ndo’yet; (Tod)
4. Beydo; (Wind, Samen - aber kein Mais -
5. Dubdo; (Mais)
6. Kedo; (der Richter, der abhängig von Dubdo ist)
7. Ndan; (ranghöchster Gott)
8. Mse; (böser Geist)
9. Mbaz. (Göttin der Erde)

Eine Numerierung von 1 bis 13 läuft parallel zu den Tagen. Die dreizehn Nummern werden eine "Zeit" genannt, sie bestehen aus den neun Gottheiten plus die Wiederholung der ersten vier. Die nächste "Zeit" fängt dann bei dem fünften Namen des Tages an –> Dubdo; Kedo; Ndan; usw.
Die erste "Zeit" heißt entweder Ze gon, Ze Blazgac, Ze Yate tan, Ze we oder Ze Blogay Ze bedeutet Tag.
Die zweite "Zeit" heißt immer Sgablodios.
Die dritte "Zeit" heißt immer Sgabgabil.
Die vierte "Zeit" heißt immer Sgablyn.
Vier "Zeiten" formen eine "Periode"; fünf "Perioden" formen ein Kalenderjahr. Die "Periode" trägt den Namen der ersten "Zeit".

Sarah Bartz, 2001

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