Indische Schriften
INDISCHE SCHRIFTEN

Die sowohl historischen, als auch modernen indischen Silbenschriften (Abugida, Mischling aus Silbenschrift und Alphabet) zeichnen sich durch ihren Reichtum an Lautzeichen, durch das ihnen eigentümliche System der Vokalbezeichnungen (inhärenter a-Vokal und diakritische Zeichen für alle anderen Vokale) und durch ihr Ziffernsystem aus, welches letztere von den Arabern schon früh angenommen wurde und mit diesen zuletzt auch nach Europa gelangte und für die europäische Wissenschaft heute prägend ist. Indien ist mit den angrenzenden Ländern die Weltregion, in der heute die meisten unterschiedlichen Schriftsysteme (über 100) verwendet und weit über 1000 Sprachen gesprochen werden.

Die älteste der bekannten indischen Schriften ist die Schrift der nordindischen Indus-Kultur, die sich in frühen Formen bis 3300 v.Chr. verfolgen lässt und zwischen 2600 und 1900 v.Chr. gut belegbar ist, jedoch bis heute nicht entziffert und als Schrift im paläographischen Sinne nicht unumstritten ist.
Unter den entschlüsselten Schriften Indiens werden die Brahmi-Schrift der Hinduisten aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. und die maghadische aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., welche beide auch als die Mütter sämmtlicher indischer Schriften betrachtet werden, und die Kharosthi-Schrift, welche bereits in der Antike ausgestorben und aramäischen Ursprungs ist, als die ältesten angesehen. Da jedoch die Devanagari, als naher Abkömmling der Brahmi-Schrift, Zeichen enthält, welche nicht aus der maghadischen Schrift stammen, so müssen in dieser mehrere Schriften vereinigt worden sein, um die Schrift der Veda-Bücher herzustellen. Diese Vermutung wird bestärkt durch den Gang der allgemeinen Entwicklung an sich, der vom Einfachen zum Komplizierten zu führen scheint. In dieser Beziehung gewinnen die Volksschriften des nordwestlichen Indiens, wie die Sind- und Multan-Schrift, ein paläographisches Interesse, da diese, ebenso wie die kanaanitischen Schriften, ohne Vokale sind, ihre Formen sich scheinbar an die mittelpersischen Zeichen anlehnen und offenbar die Prototypen mancher Devanagari-Figuren enthalten. Die dravidischen und malayischen Schriften hingegen scheinen ein originales Gepräge zu tragen. Es ist wahrscheinlich, daß schon früh mehrere indische Kulturzentren mit verschiedenen Schriften bestanden.
Der starke Unterschied im Duktus zwischen den im Wesentlichen nord- und südindischen Schriften begründet sich nicht zuletzt in den ursprünglich unterschiedlichen Materialien der Schriftmedien. So wurden im Norden meist Baumrinden und im Süden meist Palmblätter benutzt. Da Palmblätter bei den im Norden typischen geraden Striche der Buchstaben, wie z.B. im Devanagari, stark dazu neigen zu zerreissen, entwickelten sich im Süden zwangsläufig vornehmlich stark gerundete, geschwungene Buchstaben. Anderseits unterstützte die Struktur der Baumrinden im Norden Indiens den geraden Strich im Buchstaben der Schreiber.

Auf dem indischen Subkontinent hat sich vermutlich in Folge früher ethnischer Migrationen die Schriftbildung von (NW)Westen nach (SO)Osten vollzogen. Den Kulminationspunkt dieser vor allem Sprach- aber auch Schriftvermischung bildet die Schrift der Brahmanen, die Devanagari. Im 5. Jahrhundert v. Chr. entstand die buddhistische Religion, welche eine Zeit lang die brahmanische verdrängte, dann aber im 4. und 5. Jahrhundert n. Chr. nach Sri Lanka (Ceylon) und in die Himalayaregionen verdrängt wurde. So wie das Pali, die Sprache der buddhistischen Religionsbücher, welche im Südosten in mehreren Schriftvarianten benutzt wird, Elemente aus dem Volksmund aufnahm, so zeigt die Pali-Schrift auch andere Zeichen als die Devanagari, die Schrift der brahmanischen Religionsbücher. Ihre Zeichenordnung ist in der Neuzeit eine grammatisch jüngere, bei welcher die verwandten Laute zusammengestellt sind, die ältere Ordnung ist weitgehend unbekannt.

Das indische Klima ist der Konservierung alter Schriften und Texte nicht besonders förderlich. So bleiben den ursprünglich landestypischen Schreibmaterialien, wie Palmblätter und Baumrinden, nur wenige Jahre, bevor sie zerfallen. Aus frühen Zeiten überliefert sind daher hauptsächlich Schriften auf Münzen, Bauwerken und Felsen. Die ältesten Manuskripte setzen erst mit dem 11.Jh. n. Chr. ein. Traditionell wird die schriftliche Überlieferung in Indien als eine unsicherere Überlieferungsmethode angesehen.

Sanskrit
Sanskrit
Sanskrit

Indus-Schrift
Brahmi
Maghadisch
Džirnar
Ashoka

Nordindisch:
• Gupta:
-• Gudzarat
-• Allahabad
• Sarada
• Takri
• Landa
Gurmukhi (Sikh)
Tibetisch
Kutila
• Siddham
• Nagari
• Gaudiya
Oriya (Orissisch)
Bengalisch
Ahom (Assamesisch)
• Maithli
Nepalesisch
• Newari
Devanagari
Marathisch
• Modi
Gujarati
• Keithi
Multan
Sindh
Kaschmirisch
Kabulisch
• Zentralasiatisch

Südindisch:
Balinesisch
Burmesisch, Birmanisch
Grantha
Javanisch
Kannada (Karnatisch)
Khmer (Kambodscha)
Kistna
• Koleruttu
Laotisch
Malabarisch
Malayalam
Nerbadda
Pali
• Pallava
Peguanisch
Philipinisch
Singhalesisch
Tamilisch
Telugu
Thai (Siamesisch)
• Vattelluttu

Lepcha, Rong