Diese Gruppe lebt in Llanos de Mojos, auch Llanos de Moxos (Erickson, Clark.L, 1994, S. 1). Mit "Llanos" bezeichnet man die Hochgrassteppe im tropischen und subtropischen Amerika (Brockhaus, 1999, S.561). Llanos de Mojos wird das Gebiet zwischen dem nordwestlichen Rand der bolivianischen Anden, dem Rio Guaporé und dem Rio Mamoré genannt (südwestlicher Amazonas). Die Flüsse Guaporé und Mamoré sind beides Mündungen des Amazonas.

        William Balée spricht in "The Sirionó of the Llanos de Mojos" über eine ethnische Gruppe die er Sirionó nennt. Bei Clark.L. Erickson findet man nur den Begriff "Mojos Indians". Aus diesen Gründen, und weil es sich um ein relativ großes Gebiet handelt, läßt sich der Schluß ziehen, daß es sich um eine gewisse Generalisierung handelt, wenn man von Mojos-Indianern spricht. Hinzu kommt, daß es immer darauf ankommt, hinsichtlich welcher Kriterien man einer Gruppe einen Namen gibt. Hier geht es um die Menschen die in dem Gebiet "Llanos de Mojos" leben, also die Mojos.

        Llanos de Mojos hat sowohl eine extreme Trockenzeit, sowie eine extreme Regenzeit. Von Mai bis September ist es sehr trocken, die restliche Zeit wird das Land geradezu überströmt vom Regen (Balée 1999, S.107).

        Noch vor 30 Jahren waren die westlichen Gelehrten davon überzeugt, daß es im Amazonas keine großen Populationen gegeben haben kann, also auch nicht in dem hier relevanten Gebiet. Weil die Umgebung dafür zu hohe Ansprüche stellen würde.

In den frühen Sechzigern des letzten Jahrhunderts hat man aber Gegenargumente für diese These gefunden (Erickson 1994, S.1). Durch den jährlichen Wechsel zwischen extremer Trockenheit und extremer Feuchtigkeit war und ist noch heute Landwirtschaft in dieser Gegend ein schwieriges Unterfangen. Die Menschen damals erfanden eine landwirtschaftliche Methode, welche diese klimatologischen Gegebenheiten ausnutzen konnte. Während der trockenen Jahreszeit unterteilten sie das Land in Rechtecke. Es wurde Raum zwischen den Feldern gelassen, die dann 4 Fuß (zwischen 1 und 1,72 m) tief ausgegraben wurden. Durch das Plazieren der überschüssigen Erde auf die Felder konnte ein Höhenunterschied von etwa 8 Fuß erzielt werden. Die Rechtecke waren 10 Fuß (zwischen 2,3 und 4,3 m) breit und ab 100 Fuß (zwischen 23 und 43 m) aufwärts lang. In der Regenzeit konnten dann die Zwischenräume mit dem Regenwasser voll laufen, dienten so als Kanäle. Die Felder blieben so über dem Wasserspiegel. Durch angelegte Deiche und Wasserreservoirs ließ sich jetzt auch ein Teil des Wassers in der Trockenzeit zur Verfügung halten. Neben dem Felder-Komplex bauten sie größere Kanäle auf denen Waren mit Kanus transportiert werden konnten (Sánchez 1994, S.1). Bevor die Spanier kamen, bauten sie Mais, Tabak, Baumwolle und Flaschenkürbis an (Balée 1999, S.107). Balée nennt die Menschen, die diese Methode entwickelt haben "Arawakan people" (Balée 1999, S.107).

        Als die Spanier kamen brachten sie bis dahin für Amerika unbekannte Krankheiten mit. Auch viele Mojos starben, und mit ihnen diese bemerkenswerte landwirtschaftliche Methode (Sànchez 1994, S.1). Die spanischen Eroberer, und vor allem Forscher, fanden daher ein ganz anderes Bild vor. Sie sahen die Mojos schlichtweg als Jäger und Sammler, was sie in der nach-columbischen Zeit wohl auch waren. Sie jagten und fischten mit Pfeil und Bogen, wobei das Fischen eigentlich nicht so wichtig war. Sie sammelten wilde Pflanzen und Früchte von Bäumen. (Balée 1999, S.107)

        Die Sirionó des frühen zwanzigsten Jahrhunderts hatten wenig Kulturpflanzen und eine hohe saisonbedingte Mobilität. Die heutigen Sirionó leben zum größten Teil ständig in Ibiato. Sie zeigen viele Merkmale der bolivianischen Kultur des Tieflands. Sie haben eine Schule, eine evangelische Kirche und domestizierte Tiere. Manche sind Arbeiter (Balée 1999, S.105).

        Clark.L.Erickson und W.Balée entdeckten die schon genannte landwirtschaftliche Methode der vorspanischen Einwohner vor etwa acht Jahren (Balée 1999, S.106). Vor allem Erickson bemüht sich diese Methode wieder anzuwenden. Auf diese Art und Weise könnte die Subsistenz der heutigen Mojos optimiert werden.


Bibliographie

Balée, Wiliam. 1999, The Sirionó of the Llanos de Mojos. In: The Cambridge encyclopedia of hunters and gathers, herausgegeben von Richard B. Lee und Richard Daly: S.105-106. Cambridge University Press.

Brockhaus Enzyklopädie. 1999, Sonderausgabe, herausgegeben von F.A. Brockhaus GmbH Leipzig für: Verlag Das Beste GmbH: S.561. Reader‘s Digest.

Erickson, Clark.L. Onlineversion von 1994, Raised Fields for Sustainable Agriculture in the Bolivian Amazon. In: 1994 Festival of American Folklife: Culture and Development in Latin America and the Caribbean, Smithsonian Institution, Washington DC
Auf: http://www.sas.upenn.edu/~cerickso/applied3.html
Prehispanic Raised Field Agriculture: Applied Archaeology in the Bolivian Amazon S. 1-2

Sánchez, Esaúl. 1994, Archaeologist helps bring old techniques to life. Auf: http://www.upenn.edu/pennnews/features/1994/051294/Erickson.html
herausgegeben von der University of Pennsylvania USA: S.1-3.
bezieht sich auf: Erickson, Clark.L. 1994, Archeology in the American Tropics:Current Analytical Methods and Applications. Cambridge University Press.

Sarah Bartz, 2001